(Artikel) Was haben Al Bundy und Mister Perfect gemeinsam? Beide haben das Mister, also das Geschlecht, als Gemeinsamkeit.
Denn auch Al Bundy als Antiheld, wenn ich denn als Fan dieser Sitcom von Held sprechen darf, gehört mit all seinen Wünschen und Sehnsüchten, seiner Hilflosigkeit, seiner Beschränktheit und seiner menschlichen Gestalt als Mann eben auch zu dieser Spezies: Dem Mann. Nur ist Al Bundy für die Frau von heute wahrlich nicht das Abbild eines Mannes der modernen Zeit. Die Männer, die sich jedoch beim Sendeformat „Mister Perfect“ gegenüber stehen schon. Zu mindest wollen sie das sein. Der Mann von heute, eben „Mister Perfect“.
„Mann-O-Mann“ versus „Mister Perfect – der Männertest“
Ein ähnliches Format gab es schon einmal. In den 90er Jahren (1992-1995) wurde auf Sat1 die erfolgreiche Spielshow „Mann-O-Mann“ ins Leben gerufen und lief alle 14 Tage Samstag 22 Uhr. Dort mussten sich zehn Kandidaten aus einer Stadt mit geistig witzigen Antworten, körperlicher Manneskraft zur rechten Zeit und mit einem gekonnten Strip beweisen. Ein Publikum nur aus Frauen bestehend wählte nach jeder Runde einen Mann aus, der gehen durfte. Am Ende blieb der „Mann-O-Mann“ der jeweiligen Stadt übrig. Damals moderiert von Peer Augustinski. Ähnlich wählen heute die Damen, mit ihren Alpha-Weibchen, die im wirklichen Leben ganz andere Wunschintensionen haben dürften, was den „Mr. Perfect“ anbelangt und die gleichzeitig in einem ganz anderen Pool der Gesellschaftsevolution schöpfen als die degradierten Beta-Weibchen, ihren Topmann in „Mr. Perfect – Der Männertest“. Die Moderation bleibt weiterhin einem Manne überlassen, hier Herrn Alexander Mazza, der sich wirklich als wahres Alphamännchen sehen darf. Ist er doch als Moderator fast unantastbar und von sämtlichen Firlefanz befreit.
Der moderne Mann
Das neue Format „Mister Perfect – Der Männertest“ sucht den perfekten Mann. Aber gibt es den wirklich? Diese Frage ist rein rhetorisch gemeint. Denn gäbe es Mr. Perfect für die Frau, so müsste es auch die Miss. Perfect für den Mann geben. Um jedoch in den Genuss des Titels zu kommen, kann es mitunter vorkommen, dass so mancher männlicher Mitstreiter die urtypischen Eigenschaften des Mannes etwas unterdrückt oder gar ganz verrät. Warum? Nun, weil er Pluspunkte sammeln will, weil er der „Mr. Perfect“ für die Nacht sein möchte. Keine Frage, es gibt den modernen Mann. Der sogenannte Wertewandel, der auch für den Mann eingetreten ist, gehört keinem Gehirngespinst an. Längst hat sich eine Neudefinition des Mannes in der modernen Gesellschaft vollzogen, der nicht mehr nur Erzeuger, Ernährer und Macho ist. Er ist weitaus mehr und manchmal sogar mehr Frau als die Frau selbst. Endgültig in seiner Definition als „Mann von heute“ hat sich die Männerwelt noch nicht. Der Prozess schreitet weiter voran und wird sicherlich noch ein Weilchen dauern. Denn ich glaube, dass das wirkliche Finden des „Mannes von heute“ oder des „Mr. Perfect“ auch stark von der „Frau von Heute“ abhängig ist. So lange sie sich noch nicht recht sicher ist, ob lieber Macho oder Softie im wahren Leben angebracht ist, wird es ein ewiges Hickhack geben und ständig neue Definitionen werden in den Zeitungen und Zeitschriften auftauchen. Das macht die Sache zwischen Mann und Frau interessant und belebt sie mit Sicherheit zu unser aller Wohlgefallen. Doch am Ende wird wahrscheinlich wieder der SofCHO gewinnen – die gesunde Mischung.
Verrat zu Gunsten der Gunst der Frau
Außerdem möchte ich hier nicht gleich von Verrat sprechen, aber ich denke, ein Mann, der wie die Teilnehmer der Hahn im Korb ist, muss sich auf andere Eigenschaften verlassen als auf die rein männlichen. Das ist zum einen ohne großes Zögern zur eigenen Emanzipation zu stehen, zum anderen ein temporal verlogenes Ego auf Zeit nur für diesen Abend, nur für die kritisch beiwohnende Damenwelt zu präsentieren. Er verleugnet sich quasi als Mann unter Männern, der er ja ist. Trotzdem demonstriert er unterschwellig seine Manneskraft und Neigung. Er muss es ja, denn ohne diese wäre er ja sonst kein Mann. Ich möchte dem modernen Mann hier nichts unterstellen. Aber ich unterstelle ihm hier dieses schier unglaubliche Paradox, welches er zu Zeit lebt. Auch hier bei „Mister Perfect – Der Männertest“.
Ein Pluspunkt für Emanzipation des Mannes
Sicherlich tragen solche Sendungen zur erneuten Selbstfindung und Definition des modernen Mannes bei. Denn trotz der vielen Veränderungen seit den 60er Jahren sucht der Mann von heute immer noch seine rechte Position und die endgültige Definition in der Gesellschaft des 3. Jahrtausends. Unter diesem Blickwinkel ist es durchaus ein interessantes Format und zugleich auch für das heutigen Zielpublikum entsprechend unterhaltsam. Dennoch ist fraglich, ob Frau hier wirklich den Mr. Perfect findet, der hier medial künstlich erzeugt wird. Der wahre „Mr. Perfect“, glaube ich, sieht anders aus. Der beweist sich letztendlich beim Flirt im Alltag, ebenso als aufgeklärter Liebhaber oder in der Beziehung, als gleichberechtigter Partner. Aber genauso wichtig ist er als jene Vaterfigur, die auch mal weinen oder Windeln wechseln darf. Seine Position in der Familie und als Familienmensch sind heute ausschlaggebende Kriterien. Ganz wichtig ist jedoch auch die Tatsache, dass der moderne Mann als gefestigter und mit beiden Beinen im Leben stehender Mann seinen Weg gehen soll. Als Mann, der weiß, wo er hingehört. Ohne jetzt hier explizit vom typischen Mann mit unaufhaltsamer Karriere nach oben sprechen zu wollen, der primär die Funktion als Ernährer einnehmen soll. Nein, diesen meine ich nicht. Es gibt sicherlich Damen, die nur das suchen, aber ich rede hier von einem Mann, der, wie es so oft von der holden Damenwelt formuliert wird: Ein Mann, … der weiß, was er will!
Ein männliches Fazit
In diesem Sinne liebe Männer, schaut euch ruhig die Sendung an und lernt einiges, was die Frau von Heute vom Mann von Heute fordert. Emanzipiert euch weiter. Aber bleibt bei all dem Wunschdenken, „Mr. Perfect“ zu werden oder gar so zu sein, immer noch das, was ihr eigentlich seid: Nämlich ein Mann.